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Eine Kreuzfahrt oder wie man älter wird

Eine Seefahrt die ist lustig
Eine Seefahrt, die ist schön
Denn da kann man fremde Länder
Und noch manches andre sehn.
Refrain: Hola hi, hola ho, hola hia hia hia, hola ho

Wer kennt es nicht dieses alte Volkslied mit seinen witzigen Strophen. Heile Seefahrerromantik verbreitet es und macht Lust darauf einmal selber zur See zu fahren. Die eingängige Melodie wird aber auch immer wieder bei Hochzeiten oder runden Geburtstagen durch Beiträge der Gäste missbraucht, welche sie mit eigenen Texten vortragen, womit wir beim Thema „älter werden“ sind.

Hurtigruten

© Text und Fotos: Andreas Zimmermann

Eigentlich habe ich schon einige Kreuzfahrten hinter mir, in Norwegen mit den Hurtigruten, die Umrundung von Spitzbergen mit dem Eisbrecher oder in Ägypten die Reise auf dem Nil. Dies war aber alles beruflich und gab deshalb keinen Anlass für Kommentare.

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Nun, ich hatte jetzt auch Mal das Bedürfnis Urlaub zu machen, nichts zu arbeiten und nicht alles selber organisieren zu müssen. Also buchte ich eine Kreuzfahrt, östliches Mittelmeer, ein Schiff mit maximal 2550 Passagieren (bei Doppelbelegung) und ca. 1000 Mann/Frau Besatzung. Die Anreise nach Venedig mit dem Reisebus, praktisch von der eigenen Haustüre weg, war auch dabei.
Die Sprüche und Kommentare liessen nicht lange auf sich warten: „Du wirst langsam alt, jetzt buchst du schon eine Kreuzfahrt. Und dann noch mit dem Bus nach Venedig, nennt man das nicht Kaffeefahrt? Am Schluss kommst du noch mit einer überteuerten Rheumadecke nach Hause."

Unterwegs in Aegypten

Zeichen des älter werdens

Von überall her erhielt ich nun Hinweise, woran man erkennen soll, dass man wirklich älter wird. Hier nun eine Auswahl, welche sich beliebig erweitern lässt:

Kreuzfahrt "Östliches Mittelmeer"

Die eigentliche Kreuzfahrt will ich Ihnen nicht vorenthalten. Komfortabel und pünktlich brachte uns der Bus nach Venedig. Zu unserer Erleichterung durften wir feststellen, dass wir nicht die Jüngsten waren. Die Befürchtung, an einer geriatrischen Reise teilznehmen hat sich nicht bewahrheitet, obwohl es Rentner geben soll, welche seit Jahren auf einem Kreuzfahrtschiff leben, weil dies günstiger ist als das Altersheim.

Karte "Östliches Mittelmeer"Reiseroute "Östliches Mittelmeer"

Das Schiff war nicht ganz ausgebucht, aber rund 2000 Passagiere sind für einen Fotografen, welcher sich meist alleine irgendwo in der Natur und Wildnis rumtreibt mehr als genug. Aber so etwas muss man einfach auch Mal gesehen und erlebt haben. Ich sehe das also positiv.
Schon die ganze Organisation ist äusserst beeindruckend. Das beginnt mit dem Einchecken und geht weiter über den Kabinenbezug, die Verpflegung, die Ausflüge und das Unterhaltungs- und Animationsprogramm an Bord. In verschiedenen Bars wird am Abend Live-Musik geboten und in einem riesigen Theatersaal mit 1200 Plätzen eine täglich wechselnde Show. Alles funktionierte absolut perfekt und reibungslos und ohne längere Wartezeiten. Auch das Personal, welches vorwiegend aus Mauritius rekrutiert wurde, war äusserst aufgestellt und hilfsbereit. Eigentlich erstaunlich, wenn man die Arbeitsbedingungen bedenkt. 16-Stunden Arbeitstage mit vier bis sechs Stunden Schlaf sind normal und dies meist über ein halbes Jahr ohne Freitage. Kein Wunder fahren die Schiffe unter Panama-Flagge, da haben unsere Gewerkschaften nichts zu melden. Der Lohn muss trotzdem um einiges besser sein, als das was sich in den entsprechenden Heimatländern in derselben Zeit verdienen lässt, sonst wäre ein solcher Top-Service nie möglich.

TheatersaalTheatersaal für 1200 Zuschauer

Unsere Kabine befand sich im zwölften Stock. Darüber in der Dreizehn lag das Buffetrestaurant, in Fünf und Sechs die weiteren Restaurants und diverse Bars. Essen war zwanzig Stunden am Tag verfügbar. Man ist sich ja selber lieb wieviel man isst und trinkt. Auf jeden Fall haben wir uns vorsichtshalber konsequent im Treppensteigen geübt und fühlten uns so nach einer Woche ziemlich fit. Trotzdem hat es für ein Kilogramm Gewichtszunahme gereicht, aber bekanntlich sind ja Muskeln schwerer als Fett.
Das Essen war ausgezeichnet, nur hätte ich mir mehr lokale Spezialitäten der bereisten Länder gewünscht. Bei der internationalen Gästeschar müssen jedoch alle etwas finden, was schmeckt, was sich natürlich in einer weltweit ähnlichen sogenannten "Internationalen Küche" ausdrückt. Und um die Kinder ruhig zu stellen gab es ein Schlaraffenland mit Pommes, Hamburger, Hot Dogs, Pasta und Eiscrème, aber auch etliche Erwachsene bedienten sich mit Vorliebe am Kinderbuffet.

Dem Animationsprogramm sind wir aus dem Weg gegangen. Die angebotenen Tanzkurse wären zwar interessant gewesen. Allerdings fehlt mir das nötige Taktgefühl, so dass ich bekennender aktiver Nichttänzer bin. Auf dem Sonnendeck im Pool-Bereich fanden weitere Animationen statt, nämlich mässig lustige Gesellschaftsspiele. Es fanden sich immer genügend Freiwillige, welche sich vor grossem Publikum zum Affen machen liessen. Weit weg von zu Hause, wo einen niemand kennt, da fallen die Hemmungen.

SonnendeckAuf dem Sonnendeck

Landausflüge

In anbetracht der Massen, welche abgefertigt werden sind die Landausflüge überteuert. Irgendwo muss aber das Geld ja noch verdient werden, denn der Grundpreis einer Kreuzfahrt ist relativ günstig. Etliche Orte kann man aber problemlos alleine zu Fuss erkunden, wie zum Beispiel Bari, Santorini, Korfu oder Kotor. Überall steht auch eine grosse Zahl an Taxis bereit, welche zu günstigen Preisen allerlei Ausflüge anbieten. Allerdings ist man da selber verantwortlich wieder rechtzeitig das Schiff zu erreichen.

Fira auf SantoriniHauptort Fira auf Santorini

Achilleion auf KorfuAchilleion auf Korfu

Für den Landgang in Pyraeus (Athen) haben wir einen Ausflug gebucht. In der beschränkten Zeit die Millionenstadt Athen mittels Taxi zu besuchen schien uns zu riskant. Was ist, wenn wir irgendwo im Stau steckenbleiben? Das Problem bei den Ausflügen nach Athen ist nun folgendes: Jeder Ausflug beinhaltet den Besuch der Akropolis. Man muss sich nun plastisch vorstellen, dass im Hafen von Pyraeus fünf bis sechs Kreuzfahrtschiffe vor Anker liegen, jedes mit über 2000 Passagieren an Bord, und alle wollen die Akropolis besuchen - ein Albtraum! Am morgen früh hatten wir das Glück zu den ersten Gästen zu gehören, aber schon eine Stunde später war das Gedränge unerträglich, denn das Plateau wo die Akropolis draufsteht ist nicht sehr gross. Im übrigen ist die Akropolis eine einzige Baustelle, die Hälfte ist eingerüstet und überall stehen Kräne und Baumaschinen herum. Für uns, welche die Denkmäler in Ägypten gesehen haben, war die Akropolis eine riesige Enttäuschung, abgesehen von der Aussicht, welche einmalig war. Aber wie schon einmal gesagt, auch das muss man Mal gesehen haben.

AkropolisAkropolis (Blickwinkel ohne Baumaschinen!)

Fazit von der Geschichte

Das Konzept von Kreuzfahrten ist eigentlich genial. In der Nacht ist man auf See, tagsüber hat man die Möglichkeit neue Orte zu entdecken. In kurzer Zeit kann man viele neue Gegenden kennenlernen, ohne jedesmal wieder das Hotelzimmer zu wechseln. Die Zeit vor Ort ist jedoch sehr knapp bemessen, doch wissen wir jetzt, dass zum Beispiel Santorini, Korfu oder auch die Küste von Montenegro und Kroatien eine längere Reise wert wären. Nach einer Woche auf See haben wir uns soweit eingelebt, dass wir wissen, wo wir unsere Freiräume finden und wie und wo man dem grossen Trubel aus dem Weg geht, oder anders geagt, wir wären bereit länger zu bleiben - aber vieleicht doch erst wenn wir wirklich älter sind ...

Kotor (Montenegro)